Umleitung (oder: Der Umweg ist oft der kürzere Weg)

 

Wenn es – und das ist fast immer der Fall – Fächer gibt, die ein Kind gerne lernt, dann können wir genau diese als Brücke nutzen, um das zu fördern, was ihm schwerfällt.

Ich arbeitete zum Beispiel mit einem Mädchen, das mit 15 Jahren noch kein Deutsch sprach. Ihre Stärke war die Mathematik – also habe ich sie genutzt, um ihr nebenbei neue deutsche Wörter beizubringen. Während sie Rechenaufgaben löste, lernte sie im Tun – ganz natürlich und ohne Druck – neue Begriffe.

Diesen Prozess ergänzte ich mit kleinen, humorvollen Geschichten – eigentlich mathematische Aufgaben, aber in erzählerischer Form, illustriert mit Zeichnungen, passend zur Jahreszeit, zu Feiertagen oder Geburtstagen.

Ein Beispiel: Eine „mathematische Aufgabe“ handelte davon, dass verschiedene Tiere gemeinsam Silvester feiern. Sie wandern durch einen verschneiten Tannenwald, zählen die Bäume, die Tiere und die Geschenke vom Weihnachtsmann – und dabei wird gerechnet: multipliziert, dividiert, addiert. Gleichzeitig spricht das Kind laut all die neuen Wörter aus, die in der Geschichte vorkommen – weil es sie braucht, um die Aufgabe überhaupt lösen zu können.

(Dieses Beispiel ist natürlich eine vereinfachte, angepasste Version, unter Berücksichtigung weiterer individueller Faktoren.)

Kurz gesagt: Lass deiner Kreativität freien Lauf!
Nutze das, wofür das Kind ein natürliches Gespür oder Interesse hat, um es „umzuleiten“ zu dem, was ihm weniger Spaß macht.

So haben wir zum Beispiel bei einem autistischen Jungen über die Musik Sprache entwickelt – er summt bis heute leise, wenn er liest oder neue Wörter lernt.
Und das ist wunderbar so: Hauptsache, er hat begonnen zu sprechen und in Kommunikation zu treten – zur großen Freude seiner Eltern.


 

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